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Dienstag, 29 Mai 2018 20:00

Veloreise: Bilbao - Sins Empfehlung

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Am 29. Mai 2018 brachen zehn passionierte Velofahrer des Veloclubs Sins zu einer Herausforderung der ganz besonderen Art auf.

Mit dem Rennrad bewältigten sie in 16 Tagesetappen die gut 2000 Kilometer lange und über 30'000 Höhenmeter beinhaltende Strecke von Bilbao in Nordspanien quer durch Frankreich zurück nach Sins. Die abenteuerliche Reise führte sie bei teilweise schwierigen Wetterbedingungen von der spanischen Atlantikküsten über unzählige Pässe durch wilde Gebirgsgegenden und vielseitige Landschaften von den Pyrenäen ans Mittelmeer und über das Zentralmassiv und die Alpen zurück nach Hause.

1. Tag: Sins  Zürich  Bilbao  Durango
Während die Rennräder mit einem Begleitfahrzeug bereits im Vorfeld an den Startpunkt der Reise gebracht worden sind, reisten die Velofahrer mit dem Flugzeug von Zürich nach Bilbao, wo sie von den beiden Fahrern am Flughafen bereits erwartet wurden. Sogleich wurden die Velos fahrbereit gemacht, die Kleider gewechselt und das Gepäck im Begleitfahrzeug verstaut. Voller Vorfreude und Spannung nahmen sie die ersten 30 Kilometer von Bilbao in Angriff und bezogen bereits um 16.30 Uhr das Hotel in der baskischen Stadt Durango. Das karstige, zackige Kalksteinmassiv, das die Stadt umgibt, war leider in Nebel gehüllt und blieb unsichtbar.

2. Tag: Durango Beasin
Von Durango aus führte die wellige Route an die Atlantikküste und brachte bereits einen wettertechnischen Vorgeschmack. Bei Stark- und Nieselregen konnte die Traumstecke der Küste entlang nur mit Vorbehalt genossen werden. Ziemlich durchnässt traf die Truppe nach 93 km und 1469 Höhenmetern gegen 15 Uhr im Hotel in Beasain ein, einer kleinen Industriestadt, die eingebettet in einem Tal südlich von San Sebastian liegt. Das schlechte Wetter tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch!

3. Tag: Beasin – Pamplona
Die dritte Etappe führte über 100 km und1730 hm durch den Park Natural Urbasa-Andia, durch eine rauhe, aber fruchtbare Gebirgslandschaft in die Stadt Pamplona, die für ihre Stierkampftradition und die Stierhatz bekannt ist. Dichter Nebel verdeckte leider die schöne Aussicht auf eine teilweise an die Toscana erinnernde Landschaft.

4. Tag: Pamplona – Oloron
Auf der vierten, bergigen Etappe durch die Pyrenäen über die Grenze nach Frankreich kreuzten sich die Wege der Velofahrer immer wieder mit den Pfaden der Jakobspilger, bevor sie nach 172.5 km und fast 3000 Höhenmetern und der ersten eigentlichen Passbezwingung das Tagesziel Oloron in der französischen Provinz Bearn. Trotz üblen Wetterbedingungen mit anhaltendem Starkregen konnte die längste Etappe der Tour unfallfrei gemeistert werden.

5. Tag: Oloron – Lourdes
Auf der Strecke nach Lourdes standen gleich mehrere Pässe auf dem Programm. Von Oloron aus beginnt schon nach wenigen Kilometern der Aufstieg zum Col de Marie-Blanque. Er verbindet das Vallée d’Aspe mit dem Vallée d’Osseau und diente uns zum Warmfahren. Es warteten noch der Col d’Aubisque und der Col du Soulor, bevor wir mit einer superlangen Abfahrt nach 105 Kilometern und 2350 Höhenmetern den weltbekannten Wallfahrtsort Lourdes erreichten. Dank der frühen Ankunft konnten die Fahrer der berühmten Grotte von Lourdes einen Besuch abstatten, in der Hoffnung, dass Beten, Kerzen anzünden und heilendes Wasser den müden Beinen Kraft für die kommenden Etappen spenden möge und den Wettergott hold stimme.

6. Tag: Lourdes – Bagnères du Luchon
Die 125 km lange Tagesetappe durch die Haute- Pyrénées war die erste ohne Regen und mit der Bezwingung der drei Pässe Col de Tourmalet, Col d` Aspin und Col de Peyresourde mit anspruchsvollen Steigungen über 3425 Höhenmeter eine echte Königsetappe. Das Tagesziel, Bagnères de Luchon ist ein bekannter Kur- und Touristenort, der mit heilenden Thermalquellen und einem ausgedehnten Wander-, Bike-, Rafting- und Skigebiet aufwarten kann. Die Tour de France führt fast alljährlich durch diese Gegend.

7 Tag: Bagnères du Luchon Foix
Auch heute standen auf einer Strecke von 151 km wieder vier Pässe mit Steigungen im zweistelligen Prozentbereich mit insgesamt 2468 Höhenmetern auf dem Tagesprogramm. Der bekannteste ist der Col Portet d`Aspet, der schon mehr als fünzig mal an der Tour de France gefahren worden ist und der durch den Tod von Fabio Casatelli im Jahr 1995 eine tragische Berühmtheit erlangte. Der Zielort Foix mit einer hübschen Altstadt und einer trutzigen Burg liegt im Departement Arriege.

8. Tag: Foix – Carcasonne
Die knapp 100 km kurze und etwas einfachere Etappe führte durch das Plantaurel-Massiv, die als Pyrenäenausläufer kaum höher als 1000 m sind nach Carcassonne in der Region Okzitanien. Die bekannte Stadt liegt 70 km nordwestlich von Perpignan an einer alten Handelsstrasse, die das Mittelmeer mit dem Atlantik verbindet. Die riesige mittelalterlichen Festungsanlage Cité, die noch bewohnt wird, gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

9. Tag: Carcassonne Cap d`Agde
Auf der ersten Flachetappe der Tour lautete die Devise: «schnell – schneller - am schnellsten»
Bei guten Bedingungen und ohne den befürchteten Mistral führte die Strecke vorbei an abertausenden von Rebstöcken durch das ausgedehnte Weinbaugebiet des Languedoc-Roussillon an den Canal du Midi und durch den berüchtigten Schilfgürtel ans Mittelmeer nach Cap d Agde.

10. Tag: Ruhetag – Cap d`Agde
Die erste Hälfte der Tour hatten wir bravourös und ohne Zwischenfälle gemeistert. Nun freuten wir uns alle auf einen erholsamen Ruhetag mit Strandspaziergängen und süssem Nichtstun.

11. Tag: Cap d`AgdeAvignon
Eine weitere 165 km lange Flachetappe half uns nach der Pause den Rhythmus wiederzufinden. Von Cap d’Agde führte die Strecke küstennah über Séte, La Grande Motte und den Salinen von Aigues-Mortes durch die Camarque nach St.Gilles und von dort entlang der Rhone nach Avignon. Nebst einem platten Reifen, verursachte ein «verlorengegangenes» Teammitglied Nervenkitzel. Dank guten Telefonverbindungen fand sich aber die ganze Gruppe bis am Abend wieder zusammen. Es blieb für die meisten sogar genug Energie für eine Erkundungstour der sehenswerten Altstadt von Avignon.

12. Tag: Avignon  Manosque
Gemeinsam mit unzählig vielen anderen Velofahrern fuhren wir am frühen Morgen von Avignon über Bedoin der Steinwüste am Chalet Reynard vorbei zum 1912 m hohen «Gigant der Provence», wie der Mont Ventoux auch genannt wird. Nach dem obligaten Gruppenfoto ging es in flottem Tempo hinunter nach Sault und durch endlos erscheinende Lavendelfelder bis nach Manosque im Naturparc Luberon. Ein Stein auf der Strasse verursachte auf der Talfahrt einen Sturz. Der betroffene Fahrer konnte dank dem Begleitfahrzeug sofort in ärztliche Pflege gebracht werden. Er hatte Glück im Unglück und kam mit Schürfungen und Prellungen davon. Das Rad wurde arg in Mitleidenschaft gezogen, konnte aber repariert werden. Die 154 km lange Etappe mit der Bezwingung des mystischen Mont Ventoux war trotz dem Zwischenfall ein ganz spezieller Höhepunkt auf der langen Reise.

13. Tag: Manosque – Jausiers
Die 144 km lange wellige Etappe führte uns bei besten Bedingungen durch herrliche Landschaften. Oberhalb Les Mées bestaunten wir die bizarren Felsformationen „Les Pénitents“ (Die Büsser).
Digne-les Bains liegt an der Route Napoléon, etwa auf halbem Weg zwischen Grenoble und Cannes. Über die Pässe Col du Labouret, Col de Maure und Col Saint Jean ging es weiter nach Saint-Vincent-les Forts, das an einem Stausee der Durance liegt. Nach einer Fahrt dem Gebirgsfluss Ubaye entlang erreichten wir das Tagesziel Jausiers. Das kleine Dorf inmitten der Seealpen liegt nah an der Grenze zu Italien.

14. Tag: Jausiers – Valloire
Die heutige Etappe hätte mit der Bezwingung der Pässe Col d`Izoard, Col Lautaret und dem 2645 m hohen Col du Galibier ein besonderes Highlight werden sollen. Da das Wetter aber derart grauslig war, dass nach 22 km bereits alle bis auf die Haut durchnässt waren, und klar wurde, dass der Col d Izoard witterungstechnisch nicht fahrbar war, entschloss sich die Gruppe aus Vernunftsgründen die Etappe abzubrechen. Der Tourenleiter Urs Schönenberger konnte im lokalen Tourismusbüro einen Bus organisieren, der alle Fahrer heil nach Valloire brachte.

15. Tag: ValloireBourg-St-Maurice
Nach einem ungeplanten Bremskabel-Reparaturstop zum Tagesauftakt führte die Tour heute über den Col du Télégraphe (1566 m ü.M.) zum Col de Madeleine (2000m ü. M.) und danach bergab bis nach Moutiers und wellig weiter bis zum Etappenziel Bourg-St.Maurice. Die Route war ursprünglich über die mit 2764m über Meer höchstgelegene Passstrasse Europas über den Col de Iseran geplant. Leider war der Pass auch im späten Frühjahr noch geschlossen und schneebedeckt und darum nicht fahrbar. In Bourg -St. Maurice wurden wir von einem Reporter für einen Bericht in der lokalen Zeitung fotografiert und interviewt. Wie waren wir froh, dass unser Begleitfahrer Hans als pensionierter Lehrer mit Französischkenntnissen brillieren konnte.

16. Tag: Bourg-St-MauriceMartigny
Nach einer kühlen Nacht mit einigen Regenschauern machten wir uns früh bereit für die Reise zurück in die Schweiz. Wir hatten uns mit 162 Kilometern und 3259 Höhenmetern viel vorgenommen. Von Bourg-St Maurice führte der Weg nach Seéz und hinauf zum Kleinen St. Bernhard 2’188 m ü. M. (Tour de France Debüt 1949). Über Prè-Saint-Didier gelangten wir durch das italienische Aostatal in einem anspruchsvollen Anstieg, den alle bravourös meisterten zum Grossen St. Bernhard (2’469 m ü. M.), der die Grenze Italien-Schweiz bildet. Das bereits im Jahr 1050 gegründete Passhospiz ist bekannt ist für die Züchtung der Bernhardinerhunde. Nach einer langen, oft auch gefährlichen und vor allem bitterkalten Abfahrt hinunter ins Tal und einigen flache Kilometern durchs Unterwallis erreichten wir Martigny. Trotz Strapazen liessen wir den Abend gemütlich ausklingen.

17. Tag: Martigny – Avenches
Nach einem Auftakt auf guten Radwegen und Nebenstrassen bis Montreux hatte es auf dem Streckenabschnitt von Montreux bis Vevey viel zu viele Autos auf der Straße und wenig Platz für die Velofahrer. Von Vevey aus führte die Tour durch malerische Landschaften über Berg und Tal durchs Waadtland und das Freiburger Land. Nach einem kurzen Stopp in Châtel St. Denis ging es im flotten Tempo weiter Richtung Avenches, wo wir noch einen kurzen Kaffeehalt in der Altstadt machten, bevor wir dann zu unserem letzten Hotel der Tour aufbrachen. Nach dem Zimmerbezug nutzten einige Teilnehmer noch das schöne Schwimmbad des Hotels Lacotel, andere genossen es, in Ruhe sich auf den letzten Abend einzustimmen. Zur Überraschung aller gesellten sich unsere Clubkolleginnen Angela und Judith zu uns. Sie waren extra nach Avenches gereist, um uns auf der letzten Etappe zu begleiten.

18. Tag: Avenches – Sins
Müde, aber voller Vorfreude auf die Heimkehr, nahmen die Fahrer die letzte 123 km lange Etappe in Angriff. Von Avenches ging es Richtung Murten, weiter nach Wohlen bei Bern und über Urtenen – Häusernmoos – Huttwil – Ettiswil – Sempach – Ballwil nach Sins. Diese Gegend ist uns allen gut bekannt, einzig am Wohlensee waren vermutlich bis anhin noch die wenigsten.

Am Freitagnachmittag, 15. Juni 2018, 15.30 Uhr erreichten alle 10 Rad-Fernfahrer und ihr Begleiter mit dem Begleitfahrzeug gesund, glücklich und zufrieden wieder den Ausgangsort Sins.
Wir waren alle stolz auf die grosse sportliche Leistung, die wir gemeistert hatten und dankbar, dass wir von grösseren Unfällen und Verletzungen verschont geblieben waren. Es war eine Tour der Superlative, auch wenn uns das Wetter nicht immer wohl gesinnt war.

Einen ganz besonderen Dank an den Fahrer des Begleitfahrzeugs Hans Schwendener und eine herzliche Gratulation an alle Teilnehmenden.

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Gelesen 131 mal Letzte Änderung am Dienstag, 17 Juli 2018 20:45
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