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Montag, 18 Juni 2018 12:00

Velotour, Kroatien, Montenegro, Albanien Empfehlung

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Velotour im wilden Osten.

Clubmitglied Bruno Rütimann fuhr im Jahre 1975 zusammen mit einem Freund auf einem modifiziertem Rennvelo ! mit Gepäck und Zelt in 4 Monaten von der Schweiz aus ostwärts, unter anderem über Kroatien-Montenegro-Griechenland-Türkei-Persien-Afghanistan-Pakistan bis zum Endziel Neu Delhi (Indien). Aus heutiger Sicht ein fast unvorstellbares Abenteuer. Entsprechend wusste Bruno denn auch von dieser Reise einige wilde Geschichten zu erzählen. Nach 43 Jahren wollte er einen kleinen Teil dieser Reise nochmals absolvieren. Vier Kollegen begleiteten Bruno während 10 Tagen. Die Radtour führte ab Cavtat (in der Nähe des Flughafens Dubrovnik) kreuz und quer durch Montenegro, über einen Streckenteil im Hochland von Albanien, zurück nach Montenegro und auf der letzten kleinen, schon vorher absolvierten Wegstrecke zurück zu unserem Hotel in Cavtat, wo unsere Velokartons während unserer Radtour sicher wenn auch nicht ganz wasserdicht aufbewahrt wurden.

Für diese Radtour benutzten wir Tourenvelos oder Mountain Bikes ergänzt mit Sacochen und Lenkertaschen. Das Gewicht des einzelnen Velos betrug inkl. gefüllte Velotaschen gegen 30 Kilogramm. Insgesamt ca. 50 Kilometer der Streckenführung führten über mehr oder weniger grobe Schotterstrassen. Die ganze Tour konnte unfallfrei und praktisch pannenfrei absolviert werden. Weite Strecken führten durch absolutes Niemandsland (kein Haus, kein Mensch, nada). Auf unserer Tour sahen wir lebendige und tote Schlangen, Schildkröten, Esel und Pferde (ohne Aufsicht), viele Ziegen und Schafe, u.a.m. Montenegro misst flächenmässig ein Drittel der Schweiz zählt aber nur 830‘000 Einwohner. Entsprechend ist es menschenleer abseits der doch verkehrsreichen Küstenregion. Das Wetter war uns wohlgesinnt (warm bis heiss). Zweimal konnten wir jedoch im bergigen Hinterland bei schnell abfallenden Temperaturen unsere wärmenden und vermeintlich wasserdichten Veloklamotten testen.
Montenegro ist ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen. Schriften: lateinische und kyrillische Buchstaben. Sprachen: serbisch, montenegrinisch und albanisch. Religion: serbisch-orthodox und muslimisch. Wir wurden in Restaurants und Hotels stets einwandfrei
bedient.

Samstag: 02.06.2018: Cavtat (HR)-Kotor (MNE): 109 km / 1303 Hm
Die Überquerung der Landesgrenze von Kroatien nach Montenegro wurde durch einen sturen Zöllner massivst behindert. Da die verkehrsarme Strecke kurz vor dem Zoll zufolge einer Baustelle gesperrt und abgeriegelt war, hatte der Zöllner nach seinen Angaben die Weisung zu befolgen, sämtliche Verkehrsteilnehmer zurückzuweisen. Für Autofahrer und Motorradfahrer war die abgeriegelte Baustelle absolut unpassierbar. Für uns Gümeler jedoch war diese Hürde dank kräftigen Oberarmen kein Problem. Der sture Zöllner liess sich nicht erweichen und schickte uns zurück. Mehrweg über eine Stunde und rd. 250 zusätzliche Höhenmeter. Übernachtungsort Kotor: tolle Altstadt, sehr touristisch.

Sonntag: 03.06.2018: Kotor-Cetinje: 51 km / 1425 Hm
Diese Etappe war wohl die Anspruchvollste, über einen Pass, bis zur Passhöhe des Lovcengebirges mit einigen Kilometern Schotterweg führte der Weg knapp unter dem imposanten Mausoleum König Petar II. hinunter in die ehemalige Hauptstadt Cetinye, welche uns mit prächtigen Baumalleen empfangen hat. Übernachtung in einem grossen, schnörkellosen Hotel aus kommunistischer Zeit. Wir waren wohl die einzigen Gäste!

Montag: 04.06.2018: Cetinye-Bar: 80 km / 1194 Hm
Die wiederum verkehrsfreie Strecke führte uns zum Teil auf einer Naturstrasse nach Virpazar (Strassenverkehrsknotenpunkt am See, bekannt für das Seerosenparadies). Über den Sutormanpass (800 Meter Steigung) erreichten wir die grössere Stadt Bar, wo wir uns vor der Hotelsuche am Bahnhof über die Abfahrtszeiten des legendären Zuges über die höchste Eisenbahnbrücke Europas (Mala-Rijeka Viadukt) und andere touristische Leckerbissen erkundigten. Wir hatten den ganzen Tag heisses Wetter, so dass wir abends jeglichen Wein verschmähten – jedoch bei den Bierkrügen mit erstaunlicher Kadenz zulangten. Nomen est omen: Wir waren in Bar!

Dienstag: 05.06.2018: Bar-Kolasin per Zug, ab Kolasin-Plav: 82 km / 1023 Hm
Am Tag fährt der Zug nur dreimal ab Bar ins Hochland. Im gut besetzten Zug füllten unsere Velos mit Gepäck mehr als ein Abteil. Diese elektrifizierte Bahnverbindung ist Teil der Fernverbindung Bar-Belgrad. Wir genossen die 2 ½ stündige Bahnfahrt über zahlreiche Brücken, Tunnels und durch eine imposante canyonartige Berglandschaft. Ab Kolasin ging es wieder per Velo über den Tresmjevic-Pass (1565 M.ü.M.). Das Wetter spielte verrückt. Plötzlich wurde es dunkel. Die Temperaturen fielen im 15 Minuten Takt und Regen fiel nicht zu knapp. Am Übernachtungsort Plav (ab Passhöhe wurden die serbisch orthodoxen Kirchen durch Moscheen ersetzt) war es dann wieder längst trocken und viel wärmer.

Mittwoch: 06.06.2018: Plav (MNE)- Shkoder (AL): 116 km / 1400 Hm
Im letzten Dorf vor der albanischen Grenze durchquerten wir ein Dorf mit Blechhütten und bettelnden Kindern. Nach der Überquerung der Grenze folgten in Albanien zwei Aufstiege, ehe es auf einer perfekt asphaltierten Strasse (vor ein paar Jahren noch Naturstrasse) über 1300 Höhenmeter stets abwärts rollte. Eine tolle, lange Abfahrt in menschenleerer Berglandschaft. Dann pedalten wir 40 km flach auf einer Strasse mit separatem Radstreifen bis Shkoder, die fünftgrösste Stadt in Albanien (145‘000 Einwohner). In Shkoder waren wir im besten Hotel während unserer Tour – direkt neben einer grossen Moschee - untergebracht. Das ehemalige Armenhaus Europas Albanien hat sich – mindestens soweit wir das auf dem befahrenen Streckenabschnitt beurteilen können – erstaunlich „gemausert“. Wir genossen die grosse Fussgängerzone mit sauberen, gepflegten Lokalen in Shkoder. In Albanien, Montenegro und auch in Kroatien haben wir immer gut gegessen. Die Preise varieren stark. In Touristenregionen bezahlt man doppelt so viel wie in Lokalen abseits vom Tourismus. In Kroatien sind die Preise in den Touristenregionen ähnlich teuer wie z.B. in Deutschland – aber noch immer tiefer als in der Schweiz.

Donnerstag: 07.06.2018: Shkoder (AL)–Virpazar (MNE): 76 km / 1231 Hm
Nach rund zweistündiger Fahrt und diesmal problemloser Überquerung der Grenze waren wir wieder zurück in Montenegro. Es folgte ein ständiges auf und ab bei brütender Hitze. Der Wasserkonsum an diesem Tag war beachtlich. In Virpazar machten wir nach dem Hotelbezug eine Bootsfahrt auf dem grossen See mit herrlicher Berglandschaft und Hektaren von Seerosen. Auf der Rückfahrt fuhren wir an Sophia Loren’s Busen vorbei (kein schlüpfriger Witz). Zwei in der Form identische Bergwölbungen wurden nach der Schauspielerin benannt, welche an der Nameneinweihung persönlich anwesend war.

Freitag: 08.06.2018: Virpazar-Budva: 44 km / 822 Hm
„Ghögerige“ Halbetappe bei erneut heissem Wetter. Wir waren Zeuge wie ein LKW mit gebrochener Achse ein Rad verlor…. und…… weiterfuhr! Budva mit historischer Altstadt und sehr weitläufiger „Chilbistrasse“.

Samstag: 09.06.2018: Budva (MNE)-Cavtat (HR): 83 km / 1064 Hm
Vor der Schlussetappe hatten wir gehörig Respekt. Bruno zeigte uns die Streckenprofile der zwei ganz steilen Rampen – mit Abstand die Steilsten der Tour. Die erste Rampe mit ca. 350 Höhenmeter wurde im Zickzackkurs absolviert. Dann zog ein Gewitter über uns her. Wir suchten Schutz in einer orthodoxen Kirche, welche leider geschlossen war. Über ein Stunde standen wir an der Kirchenmauer, welche folgedessen zur Klagemauer wurde. Das Wetter blieb unsicher, so dass wir beschlossen, anstelle der zweiten steilen Rampe, direkt hinab ans Meer zu fahren und den starken Autoverkehr in Kauf zu nehmen. Noch heute bereuen wir es, dass uns die zweite (sau) steile Rampe vorenthalten blieb! Übernachtungsort wie am ersten und letzten Tag: Cavtat

Sonntag: 10.06.2018: Bootsfahrt nach Dubrovnik
Ausführliche Besichtigung dieser sehr bekannten, von Touristen überfluteten Destination (Welt Kulturerbe) – anschliessend mit dem Bus zurück nach Caftat.

Montag: 11.06.2018: Rückflug ab Dubrovnik nach Zürich

Fazit:
Durch Bruno 1a organisierte Rundreise mit abenteuerlichem Touch. Das Wetter spielte mit. Alle Teilnehmer waren fit, gesund und den körperlichen Anforderungen gewachsen. Die Defekthexe liess sich nie blicken. Was auch noch aufgefallen ist: Ganz selten haben wir andere Velofahrer gesehen.

Teilnehmer: Bruno Rütimann, Willy Baumann, Walter Villiger, Roland Sigrist, Peter Burkard

Weitere Informationen

Gelesen 160 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 21 Juni 2018 14:43
Burkard Peter

Pensionär, Rennvelofahrer, Mountainbiker und ehemaliger Läufer.

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