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Samstag, 09 Mai 2015 03:30

Veloreisli: Alicante - Sins Empfehlung

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Der Veloclub Sins ist ein Verein, der sich bewegt. In den ersten vier Monaten des Jahres 2015 waren verschiedene Mitglieder unseres Vereins bereits in den Ländern Spanien, Italien und Kroatien unterwegs und erkundeten Destinationen wie Mallorca, Lanzarote, Mojácar, Cesenatico und Poreč per Velo.

Am 9. Mai 2015 nahm eine Gruppe des Veloclubs Sins das „Veloreisli 2015“ in Angriff, das die gut vorbereiteten Velofahrer von Alicante im Süden Spaniens über Frankreich wieder in die Schweiz zurückführte.

Gümmeler sind Frühaufsteher. Am Abreisetag standen alle bereits um 3.30 Uhr abfahrbereit auf dem Parkplatz beim Bachtalkeller in Sins. Mit einem Kleinbus wurden die neun Hobby-sportler zum Flughafen Basel chauffiert. Der zehnte Fahrer weilte zu diesem Zeitpunkt bereits in Alicante, denn er hatte unseren Chauffeur Hans im Begleitfahrzeug mit unseren Velos und unserem Gepäck von der Schweiz an den Startort begleitet, sodass wir nur mit wenig Handgepäck in den „Flieger“ nach Spanien steigen mussten.
Pünktlich um 6.00 Uhr in der Früh startete unser Flug planmässig. Zwei Stunden später waren wir bereits am Startpunkt unserer Reise angelangt und niemand machte sich Gedanken darüber, dass wir in den nächsten 14 Tagen über 91 h auf unseren Rennvelos verbringen würden. Die Vorfreude auf das Bevorstehende war einfach zu gross. Bei angenehmen 25 °C begrüssten uns Hans und Josef am Flughafen in Alicante. Alle Reiseteilnehmer waren top-motiviert. Eilig wurden die Kleider gewechselt und die Velos reisetauglich gemacht. Kurz vor 10.00 Uhr waren alle abfahrbereit. Wir wünschten einander eine gute, unfallfreie Fahrt und sprachen uns gegenseitig noch etwas Mut zu. Eine gewisse Spannung war schon spürbar, aber auch Respekt, vor dem, was uns noch bevorstand.

1. Etappe

Pünktlich um 10.00 Uhr startete die erste Etappe unserer Reise. Zuerst fuhren wir einmal zwei Runden rund um den Flughafen, danach zur Einstimmung etwa 5 km auf einer Natur-strasse und anschliessend durch die Stadt Alicante, via Benidorm bis nach Calp. Diese ersten 85 km schafften wir locker und waren sehr früh in unserem Hotel angekommen. Die Temperaturen waren angenehm, ∅ 28 °C, mit ein wenig Wind. Nach dem Frühstart freuten wir uns über die gut gelungene erste Etappe und waren froh, dass wir genügend Zeit für uns hatten, um uns für die nächsten Etappen vorzubereiten.
Calp, auch Calpe genannt, ist eine stark vom Tourismus geprägte Kleinstadt an der Costa Blanca. In guter Erinnerung bleibt uns sicher allen das Wahrzeichen von Calp, der markante Felsen „Penon d’Ifach“, welcher vom tiefblauen Meer umgeben ist und unter Naturschutz steht.

2. Etappe

Die 2. Etappe starteten wir am Sonntag, 10. Mai 2015, um 9.00 Uhr. Diese Etappe führte uns über 160 km und 626 Höhenmeter von Calp bis nach Sagunt (Playa de Canet). Wir hatten sonniges Wetter und angenehme Temperaturen um die 25 °C. Nach dem Aufstieg via Panoramastrasse nach Benimarco hatten wir bereits nach 10 km den Kulminationspunkt des Tages erreicht. Danach ging es in rasantem Tempo hinunter durch eine Schlucht, immer Richtung Norden. Diese flache Einrolletappe führte uns entlang der malerischen Costa Blanca, durch den Naturschutzpark „L’Albufera“ bei Valencia, bis Sagunt (Playa de Canet). Auch mit Defekten hatten wir bereits am zweiten Tag unserer Reise zu kämpfen. Mitten in Valencia platze der erste Reifen und später kam noch ein platter Reifen dazu.
Unser 2.Etappenziel, Playa de Canet, einem kleinen Badeort mit kilometerlangem Sandstrand nahe der Stadt Sagunt, liegt etwa 30 km nördlich von Valencia, am rechten Ufer des Rio Palacia. Sagunt wird überragt von einem 170 m hohen Bergrücken der Sierra Calderona. Auch mächtige Ruinen von ehemaligen iberischen Festungen sind von weitem sichtbar.

3. Etappe

Die 3. Etappe führte uns bei idealen Wetterbedingungen, bei windstillen, sonnig, warmen 27°C, über 182 km ohne Zwischenfälle von Sagunt nach Tortosa. Eigentlich war es eine Flachetappe, aber bis am Abend kamen durch das wellige Terrain trotzdem gut 1‘000 Höhenmeter zusammen. Es sollte das schnellste Teilstück unserer Tour werden. Von Sagunt ging es entlang der Costa del Azahar – auch die Küste der Orangenblüten genannt – durch ausgedehnte Plantagen und am herrlichen Strand von Castello vorbei, Richtung Benicassim. Danach führte die Route über ein „kleines Pässli“ ins Landesinnere. Auf guten Strassen mit wenig Verkehr radelten wir durch welliges Terrain nach Tortosa.
Unser Etappenort Tortosa verdankt seine wirtschaftliche Bedeutung der verkehrsgünstigen Lage am Unterlauf des Ebro sowie dem ertragreichen Anbau von Obst und Gemüse mit fruchtbarem Flusstal. Über der Stadt auf einer Anhöhe wacht das Castell de la Zuda aus dem 10. Jahrhundert, und in der Altstadt befindet sich eine Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert.

4. Etappe

Die 4. Etappe brachte uns über 142 km von Tortosa nach Coma Ruga – vom Landesinnern wieder ans Meer. Anfänglich ging es durch welliges Terrain, dann kam noch eine Erhebung von gut 500 m dazu, bevor es wieder Richtung Meer ging. Nach dem Start in Tortosa folgten wir dem Ebro ins Landesinnere nach Mora la Nova. Die Industriestadt Reus umfuhren wir auf kleinen, verkehrsarmen Strassen. Trotz eines weiteren Platten waren wir einmal mehr frühzeitig im Hotel angelangt. Es war ein sehr schöner Tag und wir hatten eine gute Fahrt.
Coma Ruga ist ein Touristenort direkt am kilometerlangen, feinsandigen Strand der Costa Dorada gelegen. Dank unserer frühen Ankunft war es allen möglich, sich eine Erfrischung im bereits recht warmen Meer zu genehmigen. Coma Ruga war unsere letzte Station am Meer in Spanien auf unserer Reise. Morgen geht es ins Landesinnere, sodass wir Barcelona grossräumig umfahren können.

5. Etappe

Bei einer Durchschnittstemperatur von über 30 °C führte uns die 5. Etappe von Coma Ruga nach Berga. Die Etappenlänge betrug 161 km. Auf den Velocomputern wurden Temperaturen von über 40 °C aufgezeichnet. Der erste Streckenabschnitt am Morgen führte uns durch das unendlich grosse Weinanbaugebiet Penedès mit tausenden, ja abertausenden von Rebstöcken. Leider hatten wir keine Zeit für eine Degustation vor Ort. Ab Villafranca führte die Route durch das coupierte, bewaldete Hinterland mit vielen wechselnden und wundervollen Anblicken. Die Fahrt durch den Naturpark von Montserrat war eine Augenweide. Über Manresa ging es nach Súria. Wir folgten dem Flusslauf el Cardena weiter bis nach Cardona, wo ein mächtiges, mittelalterliches Castello thront. Weiter ging es bis zum „Torre de Montmajor“ und danach rollten wir bergab bis zu unserem Zielort Berga. Das kleine Städtchen Berga liegt im schönen Tal des Flusses Llobregat und seine Wurzeln gehen auf das 12. Jahrhundert zurück.

6. Etappe

Die 6. Etappe führte uns über 161 km von Berga nach Argelès-sur-Mer. „Adios España!”  - „Vive la France!” war angesagt. Das Wetter war nach wie vor hervorragend und die durchschnittliche Tagestemperatur betrug mit wenig Wind ca. 26 °C. Von Berga fuhren wir durchs wellige Vorland der Pyrenäen Richtung Ripoll. Vor uns stand nun die erste grössere Herausforderung der Tour, der 1‘513 m hohe Col d'Ares. Alle Teilnehmer bewältigten den ersten richtigen Berg seit langem bravurös. Die 60 km lange Abfahrt vom Col d'Ares bis nach Argelès-sur-Mer war ein Hit. Die ganze Gruppe kam in perfekter Abfahrtsformation dem Tagesziel sehr schnell näher. Pannen mit unseren Reifen hatten wir heute keine, jedoch war ein Schaltkabel gerissen, welches am Abend nach dem ersten Bier sehr fachkundig gewechselt werden konnte. Eines wäre noch zu erwähnen: Nach dem Hitze Tag von gestern wollte am Morgen ein Gruppenmitglied mit dem Begleitbus mitfahren. Er konnte aber während des Frühstücks noch umgestimmt werden und erreichte das Tagesziel auch auf dem Velo bestens.

Während den Bürgerkriegsjahren in Spanien 1938-39 flohen weit mehr als 500‘000 Menschen vor den franquistischen Truppen über den Col d'Ares nach Frankreich.
Argelès-sur-Mer liegt mit seiner einzigartigen Lage zwischen Meer und den Bergen. Der Fremdenverkehr ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Die Ortschaft ist seit dem 12. Jahrhundert bekannt und gehörte zur Grafschaft der Könige von Aragón. Später war Argelès dann ein Teil des Königreiches von Mallorca und erst im 17. Jahrhundert gelangte die Region um Argelès endlich zu Frankreich.

7. Etappe

Die 7. Etappe sollte uns von Argelès-sur-Mer nach Cap d’Agde führen. Anstelle der angesagten 155 Kilometer fuhren wir bei einer Durchschnittstemperatur von 18 °C jedoch 167 km. Das Wetter hatte definitiv umgeschlagen! Der Wind war am Morgen bereits sehr stark, als wir um 8.30 Uhr losfuhren. Geplant war die Route entlang von Stränden und Häfen, auf Dämmen und Landzungen, bis Cap Leucate. Leider war diese Strecke an jenem Tag für sämtlichen Verkehr gesperrt, denn der starke Wind fegte Autos und Wohnwagen von der Strasse hinweg. Also fuhren wir ab Le Barcarès über Landstrassen, weg von der Küste. Weiter ging es über Narbonne und Béziers unserem Ziel, Cap d’Agde, entgegen. Bei guten Verhältnissen wäre dies eine wunderschöne Etappe, welche durch das Naturschutzgebiet bei Bages entlang dem Canal du Midi führt.
Es war definitiv nicht unser Tag. Nach einem geplatzten Reifen hatten wir auch noch zwei weitere Platten zu vermelden. Der Wind war zeitweise so stark, dass Stimmen laut wurden, man hätte bremsen müssen, um nicht rückwärts zu fahren. Zeitweise war es schon gefährlich, denn der Wind blies mit bis zu 70 km/h. Nebst dem Wind und den Pannen kämpften wir mit zwei heftigen Gewitterzonen, welche auch noch Hagel mit sich brachten. Es war wie verflixt. Im frühmorgendlichen Sandsturm vermissten wir plötzlich ein Gruppenmitglied. Solo hatte ein Fahrer bei extremen Windverhältnissen einen Fluchtversuch gewagt. Nach einigen Telefonanrufen konnte der Ausreisser wieder eingeholt werden! Auch unseren Begleitbus hatten wir nur spärlich gesehen auf dieser Etappe, denn auch er hatte mit den Tücken des Tages zu kämpfen. Nach einem langen Tag mit schlechten Witterungsbedingungen, kamen wir müde aber heil kurz nach 20.00 Uhr am Etappenziel in Cap d’Agde an.
Le Cap d’Agde kennt man seit der Antike. Der Ort wurde vor rund 2‘500 Jahren gegründet. Heute lebt die ganze Region vom Tourismus, hat sie doch einzigartige Kontraste zu bieten: Strände mit feinem Sand, aber auch Basaltfelsen, Felsinseln und tiefblaue Meeresgründe.

Die erste Woche unseres „Veloreislis 2015“ war mit dieser Etappe geschafft und alles hatte bisher bestens funktioniert. Gut 1‘000 km und beinahe 10‘000 Höhenmeter hatten wir gemeistert. Am folgenden Tag war ein Ruhetag angesagt und wir hofften alle, dass der Wind aufhört zu tosen.

8. Etappe

Nach der Halbzeitspause nahmen wir am Sonntag, 17. Mai, die 8. Etappe von Cap d’Agde nach Orange in Angriff. Es wurde eine Flachetappe von 181 km, bei angenehmen 25 °C. Der Wind hatte glücklicherweise etwas nachgelassen. Trotz des Ruhetages war die Stimmung heute etwas angespannt. Es lag vielleicht an der Etappenlänge oder an der Vorschau auf den Mont Ventoux. Zum ersten Mal auf unserer Tour kam es zweimal beinahe zu Stürzen, welche glücklicherweise glimpflich abliefen. Vielleicht zeigten sich halt doch Anzeichen der anstrengenden letzten Tage. Die 8. Etappe führte uns zum letzten Mal dem Meer entlang nach Sète. Danach ging es an Montpellier, Nimes und Avignon vorbei ins Landesinnere. Praktisch nur auf Nebenstrassen, mit wenig Verkehr, erreichten wir alle wohlbehalten Orange.
Orange, die römische Stadt zwischen den Weinbergen namens „Côtes du Rhône“ gelegen, hat zwei Weltdenkmäler, den Bogen von Orange und ein römisches Theater, welches 9‘000 Zuschauern Platz bietet.

9. Etappe

Die 9. Etappe brachte uns von Orange nach Sisteron. Dazwischen lag jedoch noch der Mont Ventoux. Wir alle waren seit Tagen „heiss“ darauf, endlich den wohl bekanntesten Veloberg zu stürmen. Unter besten Bedingungen konnten wir die 153 km fahren. Um 8.30 Uhr starteten wir in Orange. Nach etwa 40 Kilometern Anfahrt durch landschaftlich sehr reizvolles Gebiet, war es dann endlich soweit: Der Aufstieg zum Mont Ventoux begann. Unsere Gruppe löste sich auf und jeder versuchte, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Auf dem Weg nach oben waren steile Passagen mit bis zu 12 % Steigung zu bewältigen. Der Wind war uns gnädig und auch die Temperaturen waren mit ∅ 23 °C sehr gut. Auf dem Gipfel auf 1‘909 m.ü.M. war es etwas kühler und windig, aber immer noch angenehm. Die Abfahrt vom Mont Ventoux nach Sault war cool und rasant. Nun hatten wir noch den Col de l'Homme Mort und den Col de Macuègne vor uns, bevor es dann nur noch bergab nach Sisteron ging. Die Talabfahrt war etwa 30 km lang und bildete das „Dessert des Tages“. Es war ein super Tag. Allen war es bestens ergangen und wir erreichten unser Ziel mit einem lächelnden Gesicht. Auch diese Etappe bescherte uns einen weiteren geplatzten Reifen.
Der historische Ort Sisteron ist 4‘000 Jahre alt. Um das 16. Jahrhundert entbrannte im Religionskrieg zwischen Protestanten und Katholiken ein Streit um die Stadt. Am 10. August 1944 haben die Alliierten die Stadt bombardiert und viele historische Bauten zerstört.

10. Etappe

Die 10. Etappe führte von Sisteron nach La Mure. Nach dem Höhepunkt von gestern, mit 120 km war dies eher eine einfache Etappe bei noch knappen 17 °C Durchschnittstemperatur. Ja, das warme Wetter von Spanien war definitiv vorbei. Das erste Drittel der heutigen Strecke verlief flach auf kleinen Nebenstrassen, entlang des Flüsschens Buëch. Nach einem Kaffeestopp ging es locker weiter, Richtung Col du Festre, der mit 1‘440 m.ü.M. den höchsten Punkt dieser Etappe bildete. Auf der Fahrt hatten wir wieder einen Platten zu verzeichnen und dazu begann es auf dem Col du Festre auch noch zu regnen. Endlich konnten wir alle einmal unsere Regenkleider auf deren Tauglichkeit prüfen. Nach einer schönen und langen Abfahrt führte der letzte Teilabschnitt des Tages über welliges, landschaftlich reizvolles Terrain nach La Mure. Für einmal waren wir wieder zeitig im Hotel und hatten genügend Zeit, die nahe gelegene Altstadt zu besichtigen und Süssigkeiten in den Bäckereien zu kaufen.
Die Ortschaft La Mure, am Südrand eines Plateaus gelegen, verdankte seinen Reichtum lange Zeit den grossen Kohlelagern, in denen bis zu 300‘000 t pro Jahr gefördert wurden. Bei La Mure beginnt die berühmte Bergbahn „Chemin de Fer de la Mure“, von der sich unvergleichliche Blicke auf den Drac eröffnen. Die trotz der relativ geringen Höhe überaus karge, spröde Landschaft des Plateaus erklärt sich aus der Nord-Süd-Ausrichtung, die heftigen Nordwinden ausgesetzt ist. Die Gegend wird oft auch „Sibirien der Dauphine“ genannt. Früh war Nachtruhe angesagt, denn morgen stand die Königsetappe auf dem Programm.

11. Königsetappe

Bei kaltem, aber trockenem Wetter starteten wir um 8.30 Uhr zur 11. Etappe. Beinahe 3‘700 Höhenmeter waren auf den 139 km von La Mure nach Saint-Jean-de-Murienne zu bewältigen. Die „Königsetappe“ führte uns über drei Pässe, durch gewaltige Berglandschaften mit verschneiten Gipfeln und wilden Bergschluchten. Zuerst galt es den Col d’Ornon zu bezwingen, was im Vergleich, zu dem, was noch vor uns stand, einfach war. Vom Col d’Ornon ging es dann hinunter nach Le Bourg-d’Oisans. Von hier aus ging dann das individuelle Rennen auf die Alpe d'Huez los. Jeder suchte seinen Rhythmus und bewältigte den Aufstieg bravourös. Es war bitterkalt auf der Alpe d'Huez. Möglicherweise war dies der Grund dafür, dass nicht alle wirklich auf dem höchsten Punkt waren. Schade für alle, die das verpasst haben! Bis zur Alpe d'Huez hatten wir es immer geschafft, mehr oder weniger geschlossen unsere Etappen zu fahren. Vermutlich bedingt durch die Kälte wurde unsere Gruppe auseinandergerissen. Zwei Gruppenmitglieder suchten auf der Alpe d'Huez das Weite und wollten in einer Beiz auf den Rest der Gruppe warten, doch wir trafen sie erst im Hotel in Saint-Jean-de-Maurienne wieder. Der Rest der Gruppe fand sich dank verschiedenen Telefonaten auf der Abfahrt von der Alpe d'Huez wieder. Anschliessend fuhren wir, jeder in seinem eigenen Tempo, weiter zum Col de la Croix de Fer, dem höchsten Punkt unserer Reise. Es war ein langer Aufstieg, bei harten Bedingungen, mit teilweise viel Gegenwind, Nebel, Graupelschauern und Kälte um die 0 °C. Auf dem Gipfel haben wir uns wieder gesammelt und im Begleitbus für die Abfahrt etwas aufgewärmt. Vom Col de la Croix de Fer bis nach Saint-Jean-de-Maurienne ging es dann in rasanter Fahrt abwärts. Der Regen hatte inzwischen nachgelassen, doch es blieb kalt. Schlussendlich kamen wir alle heil an unser Etappenziel und auch die beiden Ausreisser hatten wir wieder getroffen. Ein ereignisreicher Tag, bei schwierigen Bedingungen und Kälte fand bei einem guten Abendessen mit dem passenden Wein doch noch ein gutes Ende.
Saint-Jean-de-Maurienne hat eine Vergangenheit, die bis in das 6. Jahrhundert zurückreicht. Die Dynastie der Savoyer baute die Stadt aus. Noch gut erhalten aus dieser Zeit ist die Kirche Notre-Dame. Mit der Elektrifizierung kam die Bahnlinie, welche die Aluminium-Industrie in diese Gegend brachte.

12. Etappe

Auf der 12. Etappe von Saint-Jean-de-Maurienne nach Megève fuhren wir bei einer Durch-schnittstemperatur von 11 °C insgesamt 105 km. Es regnete, als wir uns um 8.30 Uhr auf den Weg machten. Für diesen Tag wäre der Col de la Madeleine und der Col des Saisies geplant gewesen, doch die Wetterprognosen sahen noch mehr Schnee voraus und somit mussten diese beiden Pässe vom Programm gestrichen werden. Es hätte keinen Sinn gemacht, mit dem Rennvelo im Schnee zu fahren. Der Col de la Madeleine musste gar kurzfristig geschlossen werden, wie wir auf unserer Fahrt feststellten. Unsere Alternativroute brachte uns durch das Tal, entlang der Arc bis Chamousset, dann entlang der Isère bis Albertville und anschliessend auf vielen kleinen Nebenstrassen hinauf nach Megève. Der Regen hörte nach knapp zwei Stunden wieder auf, und wir konnten unsere nassen Regenkleider bei einem Zwischenstopp im Begleitbus deponieren. Trotz des anfänglich schlechten Wetters, war es eine schöne Etappe und nach den Strapazen des Vortages waren alle froh, wieder einmal etwas früher im Hotel zu sein. Auch blieb uns noch genügend Zeit, Megève etwas näher anzuschauen.
Megève ist ein schönes Dorf in den Savoyer Alpen. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte es sich zu einem Wintersportort. 1950 war es das beliebteste Skigebiet Europas. In nächster Nähe zum Mont Blanc wird bis auf 2`350 m.ü.M. Ski gefahren.

Am nächsten Tag stand der Grenzübertritt von Frankreich zurück in die Schweiz auf dem Programm. Irgendwie war auch die Vorfreude auf die Heimat zu spüren.

13. Etappe

Die 13. Etappe brachte uns von Megève nach Bulle. Auch diese Etappe hatte es in sich, fuhren wir doch 163 km und bewältigten nochmals nahezu 2‘000 Höhenmeter. Es war den ganzen Tag über kühl und trocken bei 14 °C. Der Wind stellte sich erst am Abend gegen uns, sodass wir nicht übermütig wurden. Nach dem Start in Megève ging es in flotter Fahrt durch den Skiort Saint Gervais hinunter ins Tal. Am Gegenhang umgingen wir die Hauptstrasse nach Chamonix. Zum Teil war die Strasse infolge Winterschäden so stark beschädigt, dass keine Durchfahrt möglich war. So mussten Alternativen gesucht werden und wir mussten eine kleine Laufpartie in Kauf nehmen. Nicht alle hatten Verständnis dafür. Zwei unserer Mitglieder suchten sich eine Route im Talboden. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen, denn im Tal war sogar zu Fuss kein Weg passierbar, ausser der Autobahn. Somit mussten die zwei wider Willen auch den Weg der Vorgruppe suchen und mit weiteren Umwegen versuchen, den Anschluss zur Gruppe wieder herzustellen. In Chamonix mussten wir zum letzten Mal eine Panne an einem Rad beheben, nachdem wir für kurze Zeit den Blick auf den Mont Blanc richten konnten. Weiter ging es dann über den Col des Montets und hinauf auf den Col de la Forclaz. Wieder zurück in der Schweiz machten wir auf der Passhöhe einen Halt, um auf unsere beiden „verlorenen Kollegen“ zu warten. Nach einer kurzen Rast und einem kleinen Imbiss ging es hinunter nach Martigny. Die Abfahrt nach Martigny war aufgrund langer Geraden und gutem Belag speziell rasant und gewährte uns traumhafte Ausblicke auf die Stadt, das Rhonetal und die Bergmassive ringsherum. Von Martigny fuhren wir im Gegenwind nach Aigle und via Montreux und Châtel-Saint-Denis bis nach Bulle.
Der anstrengende, zweitletzte Tag unserer Tour wurde gekrönt von der Geburtstagsparty von Pius, der auf der Fahrt in die Schweiz seinen 50-igsten feiern konnte. Den letzten gemeinsamen Abend unserer Gruppe verbrachten wir in einem tollen Hotel. Zum Abschluss unserer langen Reise genossen wir mit einer kleinen Feier für Pius ein sehr gutes Nachtessen.
Die Stadt Bulle liegt westlich des Greyerzersees im französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg und ist als zweitgrösste Stadt des Kantons Freiburg ein wichtiges regionales Wirtschafts- und Handelszentrum.

14. Etappe

Die 14. Etappe bildete das Finale des „Veloreisli 2015“ und führte uns von Bulle in die heimischen Gefilde nach Sins. Auch am letzten Tag fuhren wir nochmals 160 km und bewältigten 1‘500 Höhenmeter. Die Temperaturen waren wieder etwas angenehmer und lagen bei durchschnittlich 17° C. In geschlossener Formation fuhren wir durch Fribourg und via Bern bis nach Burgdorf, wo wir uns nochmals kurz verpflegten. Weiter ging es danach über Huttwil und Sursee nach Auw.
In Ettiswil wurden wir, zur grossen Überraschung aller, von unseren Vereinskollegen und -Kolleginnen herzlich empfangen. Ein grosses „Dankeschön“ an alle, die uns entgegen gefahren sind, um uns zurück in der Heimat willkommen zu heissen. Diese Geste hat uns alle sehr gefreut.
Gemeinsam machten wir uns nun auf das letzte Wegstück unserer Reise. Voller Vorfreude auf die Zieleinfahrt in Auw wurde alsbald ein grosser Schlussspurt angerissen. Da ich am Schluss des Feldes war, verpasste ich den Abgang. Das war weiter nicht schlimm, denn so konnte ich die letzten Kilometer noch in aller Ruhe und in guter Begleitung geniessen.

Am Samstag, 23. Mai 2015, kurz nach 16.30 Uhr waren wir alle heil und munter zurück in der Schweiz, im Hirschen in Auw angekommen. Jeder der zehn Teilnehmenden hat die Tour von Alicante nach Sins mit Bravour gemeistert. Wir hatten keinen Unfall und keinen Sturz zu vermelden und grossmehrheitlich auch Wetterglück. Die Gruppe funktionierte sehr gut und unser Begleitfahrer Hans machte einen super Job und fand uns und alle Hotels jeden Tag, ohne technische Hilfsmittel.
Glücklich stiessen wir im Gasthaus Hirschen in Auw auf die gemeinsam bewältigte grossartige Leistung an. Das Veloreisli 2015 war ein supertolles, vielfältiges Erlebnis, das uns allen sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.

Die Tour Daten sind mit Vorbehalt zu betrachten, da Abweichungen möglich sind.

Die meisten Kilometer hat Hans gemacht. Mit dem Begleitbus hat er über 4‘400 km zurückgelegt, und war während unseres „Veloreislis 2015“ immer für uns da.
Hans, vielen herzlichen Dank!

Gratulation an die Teilnehmer:
•    Baumann Josef
•    Birrer Ruedi
•    Bisang Pius
•    Küng Bruno
•    Küng Josef
•    Lötscher Werner
•    Schönenberger Urs
•    Villiger Walter
•    Villiger Philippe
•    Villiger Lukas

Euer Veloreisli-Führer Urs Schönenberger

Weitere Informationen

  • Distanz: 2'110 km
  • Fahrzeit: 91 h 15 s
  • Höhenmeter: 23' 274 m
  • Geschwindigkeit: 23.10 km/h
  • Temperatur: 0 bis 40°C
Gelesen 1530 mal Letzte Änderung am Samstag, 12 Mai 2018 17:26

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